Salutogenese und Exerceutics
Therapie verbessert. Eigenes Üben ermächtigt. Was wir damit meinen.
Therapie verbessert. Eigenes Üben ermächtigt. Was wir damit meinen.
Die Medizin fragt meist: Was macht krank? Dieser Blick heißt pathogenetisch. Er sucht die Ursache und beseitigt sie. Das ist unverzichtbar: bei einer Operation, bei einem Knochenbruch, bei einer Infektion, die ein Antibiotikum braucht. Auch wir arbeiten so, wo es nötig ist.
Bei chronischen Erkrankungen und bei anhaltender Erschöpfung kommt dieser Blick oft nicht weit genug. Eine einzelne Ursache, die man einfach herausnehmen könnte, gibt es dort selten. Dann hilft eine zweite Frage weiter: Was macht gesund, und was hält gesund? Dieser Blick heißt Salutogenese. Das Wort stammt von dem Medizinsoziologen Aaron Antonovsky. Es bedeutet: Entstehung von Gesundheit.
Antonovsky hat dafür ein Bild gebraucht. Das Leben ist ein Fluss. Die pathogenetische Medizin zieht Menschen heraus, die zu ertrinken drohen. Das ist gut und nötig. Die Salutogenese fragt weiter: Wie wird ein Mensch ein guter Schwimmer?
Eridanos heißt ein Fluss, der unter der Erde fließt. Man sieht ihn nicht, und doch ist er da.
So ist es auch mit unserer Energie. Sie gleicht dem Grundwasser. Niemand sieht es. Aber alles, was oben wächst, hängt davon ab. Steht das Grundwasser hoch, ist die Landschaft grün, und die Bäche führen Wasser. Sinkt es, merkt man es zuerst kaum: Ein Bach wird schmaler, einzelne Blätter werden schon im Frühling gelb.
Beim Menschen sieht das so aus: Man wird reizbarer. Man schläft schlechter. Man wird öfter krank. Was früher Freude machte, schmeckt schal. Oft wird dann jedes dieser Zeichen für sich behandelt. Der pathogenetische Blick sieht das gelbe Blatt. Der salutogenetische Blick fragt nach dem Grundwasser.
Eine Batterie lädt man von außen auf. Grundwasser bildet sich neu, wenn die Landschaft gepflegt wird. Auch unsere Energie ist kein Vorrat, den man nur nachfüllt. Der Körper bildet sie selbst, in den kleinen Kraftwerken seiner Zellen, den Mitochondrien. Wie gut ihm das gelingt, hängt davon ab, wie wir atmen, uns bewegen, uns aufrichten, schlafen und mit Belastung umgehen. Und das kann man üben.
Antonovsky beschrieb drei Dinge, die Menschen stark machen. Sie verstehen, was mit ihnen geschieht. Sie können selbst etwas tun. Und sie sehen einen Sinn darin.
Genau hier setzt unser Weg an. Bei uns gehört zu jeder Therapie Ihr eigenes Üben. Wir nennen das Exerceutics, aus den englischen Wörtern für Übungen (exercises) und Heilkunde (therapeutics). In der Therapie verstehen Sie, was in Ihrem Körper geschieht. Im täglichen Üben erleben Sie: Ich kann selbst etwas tun. Und weil Sie die Übungen mit nach Hause nehmen, bleibt Ihre Gesundheit in Ihrer eigenen Hand. So bleibt die Wirkung.
Schwimmen lernt niemand vom Zusehen. Und Grundwasser steigt nicht durch Zusehen. Deshalb üben Sie bei uns selbst. Jeden Tag, angeleitet und ärztlich begleitet.
Alle gesundheitlichen Maßnahmen werden von einem unserer Ärzte durchgeführt oder beaufsichtigt.
Zum Weiterlesen: das Buch „Energie hoch. Erschöpfung runter.“ von Dr. Hemmerich, erhältlich auf fridhu.com.